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11.1998 Den Rücken frei Zeitschrift Mens Health

Den Rücken frei

Gesundheit: Welche Haltung schon die Bandscheibe 

Mens Health,  Ausgabe 11/1988

Tagsüber im Büro, abends auf dem Sofa: Sitzen ist für den Menschen von heute zur Lieblingsbeschäftigung geworden. Dabei ist es die ungesündeste Körperhaltung - zumindest so, wie es Erwachsene tun: zu lange und zu statisch", warnt Hans-Dieter Kempf, Sportwissenschaftler und Buchautor ("Jetzt sitzen Sie richtig", rororo,14,90 Mark). Ergebnis: die Wirbelsäule ist strapaziert, die Muskulatur erschlafft oder verspannt. die Bandscheiben sind einseitig belastet. Konzentrationsschwäche, Gefäßerkrankungen und Kopfschmerzen können dadurch verursacht werden. Muß man sich deshalb also immer aufrecht halten, so wie Mutti es gepredigt hat? Nein. "Die richtige Sitzhaltung gibt es nicht", sagt der Experte. "Wer aufrecht sitzt, belastet zwar alle Strukturen (Bandscheiben, Muskulatur) gleichmäßig, doch es fehlt der Wechsel - von Ruhe und Bewegung, Be- und Entlastung:' Und: In einer neuen Studie der Abteilung für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik der Uni Ulm kam heraus, daß die aufrechte Haltung mit durch gestrecktem Rücken die Bandscheiben belastet. Zwar können die Ergebnisse nicht verallgemeinert werden (die nicht ganz risikofreie Meßreihe fand nur mit einem körperlich gesunden Mann - dem 47jährigen Orthopäden Dr.Peter Neef - statt). Doch sie kratzen an den Dogmen der Rückenschule: "Lümmelte sich unser Mann im Stuhl, war etwa der Druck auf die Bandscheibe nur halb so groß wie bei der ,korrekten' Haltung", sagt Studienleiter Dr. Hans-Joachim Wilke. Die Liegestellung jetzt zum Dauerzustand zu machen, ist aber auch falsch: In der lässigen Sitzhaltung werden andere Strukturen (Bänder, kleine Wirbelgelenke) stärker belastet. Und: "Hoher Druck ist nicht dasselbe wie schädlich." Der Druck wächst auch, wenn die Rückenmuskulatur aktiviert wird - und starke Muskeln stabilisieren die Wirbelsäule. "Gefragt ist Vielseitigkeit", sagt Kempf. Wechseln Sie oft zwischen Sitzen, Stehen und Gehen. Und wenn Sie sitzen, dann dynamisch: immer wieder die Position verändern, kurz die Arme aufstützen, das Becken bewegen. Auch wenn das anfangs lästig erscheint: "Veränderungen bedeuten immer Anstrengung - aber die zahlt sich langfristig aus."

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