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Die aktuelle Rückenübung

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2011 - 25 Jahre Karlsruher Rückenschule - Interview

Hans Ansage1

Übungen für die LWS - Mail vom 1.12.2013

Ich habe die Karlsruher Rückenschule - Übungen für die LWS -zufällig aufgrund eines Bandscheibenvorfalls kennengelernt. Diese Übungen mit der Anspannung und der Entspannung sind einfach Spitze! Sie haben mir super! geholfen. Ich finde sie sogar sehr meditativ! Ich bin Yogalehrerin und habe diese Übungen jetzt auch in meinen Unterricht eingebaut. Ich werde die Übungen gern weiterempfehlen.Mit freundlichem Gruß, Marion H.

 
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11.1991 Vor-Beugung fällt schwer Öko-Test Magazin

Rückenschmerz

Vor-Beugung fällt schwer

Öko-Test Magazin Ausgabe November 1991, von Thomas Schmitz-Günther

Rückenschmerzen sind zur Volkskrank­heit geworden. Meist sind Bewegungs­mangel.unCi feilsches Verhalten die Ursache. Rückenschulen helfen, wenn das Kreuz zum Kreuz wird.

 Übungsleiterin Christiane Müller hat es sichtlich nicht nötig. Wenn die Kranken­gymnastin vormacht, wie man in die Knie geht, um ei­nen Bierkasten hoch zuwuch­ten oder wie man einen Stab auf dem Rücken balanciert, ist ihre Haltung vorbildlich. Ihre elf Schützlinge im Rückenschulkurs der AOK Heidelberg hingegen stehen vergleichsweise wacklig auf den Beinen. Und sie kommen ganz schön ins Schnaufen, wenn sie mit gymnastischen Übungen ihre Bänder dehnen und ihre Muskeln kräftigen, um zum aufrechten Gang zurückzufinden.

Hier reckt die 28jährige Laborleiterin, die gelegent­lich Verspannungen im Nacken spürt, genauso den Hals wie die 55jährige Reise­bürokauffrau, die trotz unzäh­liger Orthopädenbesuche und etlicher Kuren ihre Arbeit am Computer wegen einer  Arthrose aufgeben mußte. Auch ein 56jähriger Bäcker­meister übt hier nun das Stehen auf einem Bein. Er hat seinen Laden wegen ständi­ger Kreuzschmerzen verkaufen müssen und fährt für sei­nen Nachfolger nur noch die Brötchen aus. Nach zehn Übungsstunden bekommt er wie alle anderen eine Anlei­tung mit nach Hause, damit er die wichtigsten Übungen täg­lich wiederholen kann.

Etwa 10000 Rückenleidende aus 25 Städten beteili­gen sich in diesem Jahr an rund 800 Kursen der Karlsru­her Rückenschule. Auch andernorts werden Rücken­schulen, Rückenparcours oder Wirbelsäulengymnastik angeboten. Doch die Masse derer, die es im Kreuz haben, wird von diesen Angeboten noch nicht erreicht. Dabei lei­det jeder dritte Deutsche ständig unter Rückenschmer­zen, nur zwanzig Prozent) haben nie Beschwerden. Jede fünfte Krankschreibung wird mit Erkrankungen der Wir­belsäule und des Stützappa­rates begründet, 75 Millionen Arbeitstage gehen dadurch jährlich verloren. Jeder zweite Antrag auf Frührente ist auf Rückenprobleme zurückzuführen. Betroffen sind aber nicht nur ältere Menschen. Schon elf Prozent der Jugendlichen. Schon elf Prozent der Juqendlichen unter 18 Jahren zeigten bei den übli­chen Reihenuntersuchungen Haltungsschäden und andere einschlägige Befunde. Manche Wissenschaftler tun das als eine unvermeidliche Folge der Evolution ab, die Wirbelsäule sei für den aufrechten Gang im Grunde wenig geeignet. Andere sehen die gestiegene Lebens­erwartung als wesentliche Ursache, denn Knorpel und Sehnen altem mit. Überwiegend wird aber die allgemeine Bewegungsarmut als Ur­sache gesehen: Wer morgens mit dem Auto ins Büro fährt, tagsüber nur Telefon und Computertastatur bedient und abends die Glotze mit der Fernbedie­nung traktiert, tut seinem Rücken nichts Gutes.

Entgegen landläufiger Meinung ist Sitzen keine ent­spannende Tätigkeit. Schon in korrekter Sitzhaltung setzt man die Bandscheibe einem Druck von etwa 130 Kilo/aus. Wird der Rücken gebeugt und die Bandscheiben ungleichmäßig belastet, steigt der Druck entsprechend und kann beim Heben schwerer Gewichte in falscher Haltung, also mit durch gestreckten Beinen und krummem Rücken, auf mehrere hundert Kilo anwachsen. Die Bandscheibe, ein gallertartiger Kern in einem Faserring, ver­sucht der Belastung auszuweichen, drückt auf den Faserring nach hinten, der reißt mit der Zeit immer mehr ein, bis schließlich der Gallertkern auf die empfindlichen Nervenfasern im Rückenmark drückt: Der Hexenschuß oder der Band­scheibenvorfall ist da.

Wem es schon mal ins Kreuz gefahren ist, der sucht sich gemeinhin zu schonen. Tatsächlich können nach einem akuten Anfall Bettruhe und Wärme helfen. Mit angewinkelten Beinen und einer Wärmflasche im Kreuz auf dem Bauch zu liegen, schafft erst mal Erleichterung. Auch ein heißes Bad bringt Entspannung, anschließend kann man die Beine im: Stufenbett hoch lagern. An der Schmerzambulanz der Universität Tübingen versucht man darüber hinaus chronischen Schmerzpatienten unter dem Motto Biofeedback mit raffi­nierter Computertechnik Entspannung zu bringen. Nachdem eine besonders ver­krampfte Muskelpartie geor­tet wurde, wird mit empfind­lichen Meßfühlern die Verkrampfung in ein Signal umgewandelt und auf einem Bildschirm dargestellt. »Nun kann der Patient durch ge­zielte Entspannung erreichen, daß zum Beispiel ein kleines Auto durchs Ziel r9111. So lernen die Leute, wo der Schmerz sitzt und wie sie im Alltag Verspannungen abbauen können«,berichtet Dr. Herta Flor.

Wenn der ärgste Schmerz vorbei ist, braucht die Band­scheibe Bewegung und die Unterstützung, des Muskel ­und Halteapparates, um sich zu erholen. Eine Schonhaltung sollte man sich auf kei­nen Fall angewöhnen. Der Schmerzforscher Professor Jan Hildebrandt von der Uni­versität Göttingen läßt seine Patienten daher täglich zwei Stunden an Bodybuilding ­Geräten trainieren: »Das Hauptproblem ist, daß zu viel geschont wird. Wir müssen die Leute sehr schnell wieder aktivieren, damit die Muskeln die Wirbelsäule in ihrer Stützfunktion entlasten.«

War es früher vor allem die Plackerei auf dem Bau oder in der Fabrik, die zu Rückenbeschwerden führte, rücken nun die scheinbar körperlich leichten Büroarbeitsplätze in den Vordergrund. So klagten 1987 bei  einer Befragung von 2 722 Angestellten aus fünf großen  Unternehmen, die allesamt am Bildschirm arbeiteten, zwei Drittel über Rückenbeschwerden. Ein Drittel davon befand sich deswegen in ärztlicher Behandlung. Je länger sie täglich am Computer saßen, desto häufiger traten die Symptome auf.

Als Ursache kommen nach Hans- Jörg Windberg, Ergonomiespezialist bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz, häufig unzureichend gestal­tete Arbeitsplätze in Frage. Schließlich arbeitet der Büro ­Mensch zeitlebens etwa 80000 Stunden im Sitzen. So sind Schreibtische meist nicht in der Höhe verstellbar, Fußstützen nicht vorhanden und Bürostühle nicht mit Armlehnen ausgestattet. Stimmen Stuhl- und Tischhöhe nicht, so kommt es unweigerlich zu Verspannungen. Zwar gibt es seit letztem Jahr eine EG ­Richtlinie zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätze en, doch findet die allenfalls bei neu eingerichteten Plätzen Anwendung.

Doch selbst der letzte Schrei der Bürotechnik, ein elektrisch verstellbarer Arbeitstisch, hilft nicht gegen stundenlang eingenommene Zwangshaltungen. »Abwechslung am Arbeitsplatz schont die Wirbelsäule«, sagt Hans-Jörg Windberg. Wechselnde Sitzhaltungen, ab und zu mal aufstehen und etwas holen gehen, von solchen Bewegungen lebt die Bandscheibe. Vielleicht kann der eine oder andere Arbeits­schritt auch auf das Stehpult verlegt werden, das gerade seine Renaissance erlebt. Während in Japan und den USA gemeinsame Gymnastik am Arbeitsplatz längst üblich ist, wird das hierzulande kaum praktiziert. Erfahrungen über längere Zeit hat man damit nur bei Neckermann in Frankfurt gemacht. Nach Aussage von Beschäftigten wird das als sehr entlastend empfunden. Margret Mönig-Raane vom Hauptvorstand der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherun­gen fordert deshalb eine strikte Anwendung der Arbeitsstättenverordnung, in der Räume für körperliche Ausgleichsübungen vorgese­hen sind.

Doch wer bereits im Berufsleben steht, hat sich meist schon falsches Verhalten an­gewöhnt. Deshalb möchte Dr. Carl Heinz Ullrich, Buchautor und wissenschaftlicher Leiter der Rückenschule Mettmann, künftig vor allem bei Kindern und Jugendlichen mit einer Gesundheitserziehung vor­beugen: »Kleinkinder verhalten sich noch natürlich und damit richtig«, sagt er. Doch den Heranwachsenden wird das systematisch abgewöhnt, indem sie zum Stillsitzen erzogen werden. Im Schul­sport könnte man da gut gegensteuern, etwa mit den, beliebten Ballspielen. »Doch statt dessen werden immer noch Übungen abgehalten, die eindeutig körperschädlich sind, wie tiefe Kniebeu­gen, das sogenannte Klappmesser oder das Greifen mit der rechten Hand zum linken Fuß Und umgekehrt bei durchgestreckten Beinen.«

»Demgegenüber wollen Rückenschulen den Erwachsenen ein wirbelsäulenge­rechtes Alltagsverhalten beibringen«, sagt Hans-Dieter Kempf, Leiter der Karlsruher Rückenschule: »Das ist ein ganzheitlicher Lernprozeß«, der in vier Stufen ablaufen soll: Erkennen schädlichen Verhaltens, Entwickeln alternativer Verhaltensweisen und seelischer Einstellungen, Erlernen von Techniken zum richtigen Sitzen, Stehen, Bücken oder auch Entspannen und schließlich Einüben solcher Techniken, damit sie in Fleisch und Blut übergehen. Die Rückenschule sollen im Idealfall vorwiegend Gesunde besuchen.            .

Doch finden die sich nur selten ein. Vor-Beugen fällt nicht nur dem schwer, der es schon im Kreuz hat. Gerade die, die es am nötigsten hät­ten, kommen so wenig zur Rückenschule, wie sie auch sonst körperliche Aktivität meiden. Vielleicht schreckt manchen auch die Vorstel­lung von Drill. Dabei erschöpft sich die Rücken­schule nicht im »GrateHalten!«, das spätestens bei der Bundeswehr zur Durch-Halte­Parole wird. Wer steif wie ein Ladestock herumläuft und vor lauter »Brust raus« ein Hohl­kreuz macht, tut seinem Rücken sowieso keinen Gefallen. Der ganzheitliche Ansatz, der auch seelische Nöte in die Therapie von Rückenleiden einbezieht und Haltung auch im Sinne von entwickel­tem Selbstbewußtsein inter­pretiert' wird zumindest in der Theorie von vielen Rückenschulen ins Auge gefaßt. Körpertherapien, die auf der sogenannten Alexan­der-Technik, der Alta-Major­ Methode oder auch dem Rol­fing aufbauen, stellen diese ganzheitlichen Aspekte stär­ker in den Vordergrund. Sie liegen schon an der Schnittli­nie zur Psychotherapie.

Doch angesichts der Infla­tion von Rückenschulen sieht Dr. Carl-Heinz Ulllrich auch ein Qualitätsproblem: »Wenn schon jedes Fitneß-Studio, das nicht recht läuft, sich in Rückenschule umtauft, ist eine qualifizierte Schulung nicht mehr zu gewährleisten,« Oft werde auch zu einseitig auf Rückenprobleme geachtet: »Nicht jeder kann sich zum Einräumen der Waschmaschine auf den Boden knien oder beim Heben von Gegenständen in die Hocke gehen. Darauf nehmen wir heute Rücksicht.. Denn früher hieß es oft, wer die Rückenschule erfolgreich absolviert hat, ist reif für die Knieschule,«

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