Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge

Sektionen

Sie sind hier: Startseite / Hans-Dieter Kempf / HDK in Presse, in Rundfunk und im Fernsehen / Presseberichte Download / 13.10.1998 In Stehen telefonieren Handelsblatt

13.10.1998 In Stehen telefonieren Handelsblatt

Im Stehen telefonieren

Experten sind sich sicher: Nicht der PC ist schuld, wenn Mitarbeiter im Büro mit Rückenschmerzen zukämpfen haben, sondern der Mangel an Bewegung. Und dem könne man abhelfen- durch gezielte Gymnastikübungen zwischendurch.

Handelsblatt,  Ausgabe 13.10.1998

HANDELSBLATT, Dienstag, 13.10.98 BONN. Das Psychologische Institut der Universität Mainz schätzt die Zahl der Bildschirmarbeitsplätze in Deutschland auf 15 Millionen. So wundert es nicht, wenn viele Menschen, die am Computer arbeiten, dem vertrackten Gerät die Verantwortung für Nacken- und Rückenschmerzen sowie tränende Augen geben. Doch die Ursachen für diese' Symptome liege in den seltensten Fällen an der Computerarbeit, meinen Mediziner. Dr. Peter Schäfer, Experte für Bildschirmarbeit beim Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, wendet sich dagegen, den PC als Ursache allen Übels zu verdammen: "Den Bildschirmarbeitsplatz unterscheidet vom früheren Arbeitsplatz im Büro nichts als der Bildschirm", gibt er zu Bedenken. Es liege wohl eher an der geringen Bewegung: Wer vernetzt arbeitet, bringt dem Kollegen keine Unterlage mehr und stellt Fragen oft nur noch per E-Mail in vielen Büros entfallt auch der Weg zum Faxgerät, weil alles in den und aus dem PC kommt.

Der Bewegungsapparat bewegt sich nicht mehr. Dr.Ludwig Weh, Orthopäde und Sprecher seines Berufsverbandes, schmunzelt: Er heißt Bewegungsapparat und nicht Sitzapparat. Stereotypes Sitzen ist ungünstig für die Bandscheibe. Dabei ist es aber gleichgültig, ob wir vor dem PC, vor der Schreibmaschine oder dem Fernsehgerät sitzen." Wir lassen langsam aber sicher die Schultern immer weiter nach vorne sinken und der Rücken wird immer runder. Wer sich in einer solchen Haltung erwischt. sollte sich einfach mal strecken, die Sitzhaltung ändern und öfters zwischendurch einmal aufstehen. 

Umfangreiche Tips für die Gymnastik zwischendurch hat Hans-Dieter Kempf in seinem Taschenbuch ..Fit am Bildschirm" zusammengestellt - das Rundum-Programm für entspanntes Arbeiten im Büro (erschienen bei rororo in der Reihe ..Gesundes Leben; 14,90DM). Wie wichtig die Eigeninitiative zur Vorbeugung von Krankheiten ist, zeigt die Statistik. ..Rund ein Drittel aller Krankentage geht auf Probleme mit der Wirbelsäule und Haltung zurück", erläutert der Experte der Berufsgenossenschaft, Schäfer. Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit fallen über 70 Millionen Krankheitstage wegen Rückenleiden an, die Kosten dafür liegen innerhalb eines Jahres bei rund 30 Milliarden DM für die Unternehmen und bei rund 50 Milliarden DM für die Kostenträger im Gesundheitswesen. Ein weiteres Übel. das dem Bildschirm angelastet wird, ist die Verringerung der Sehfahigkeit. Doch auch hier sind die Experten zurück. haltend. "Nicht einmal im Bereich der Augen. die ja tatsächlich zumindest anders belastet werden als zu Zeiten der Schreibmaschine und des Schreibens mit dem Füller. scheint es zu Veränderungen durch Bildschirmarbeit zu kommen", meint Dr. Georg Mehrle. Sprecher des Berufsverbandes Augenärzte. und betont: "Der Blickauf den Monitor bewirkt keine Verschlechterung der Sehkraft. Oft kommen aber Leiden zu Tage. die sonst nicht aufgefallen wären. Der Bildschirm ist ein Testgerät für die Augen." Mehrle erinnert sich an eine Allensbach-Umfrage. der zufolge mit der Zahl der Bildschirmarbeitsplätze die Zahl der Brillenträger gestiegen sei. Mehrle vermutet: "Ohne den Bildschirm wären die vorhandenen Sehschwächen gar nicht aufgefallen." Wichtig allerdings sei, und auch da sind sich Mehrle und Schäfer einig, "der richtige Umgang mit den Arbeitsmitteln." Insbesondere müsse der Bildschirm unter Augenhöhe stehen: "Damit liegt das Lid beim Blinzeln auf dem Auge. wenn wir auf .den Bildschirm schauen." Das Austrocknen der Augen - die einzige Gefahr - sei so gebannt.

Hans-Dieter Kempf hat in dem oben erwähnten Buch auch einige Übungen für die Entspannung der Augen zusammengestellt. sie sollen Verspannungen und der Ermüdung vorbeugen. Die EU hatte sich schon 1990 mit dem Thema "Ergonomie am Arbeitsplatz" beschäftigt und eine Richtlinie herausgebracht, die seit dem 1.Januar 1997in Deutschland in nationales Recht umgesetzt wurde. Mit wenigen Sätzen beschrieben. beinhaltet diese Richtlinie die Forderung nach einer benutzerfreundlichen Software, einem flimmerfreien Bildschirm (über 73 Hz), einem bequemen Arbeitsstuhl, der gleichzeitig kippsicher ist und ein freies Bewegen ermöglicht. Die Arbeitsumgebung sollte Platz für dynamisches Sitzen lassen und das Raumklima angenehm sein. Es sollte kein unangenehmer Luftzug herrschen und die Licht- und Lärmverhältnisse zufriedenstellend sein. 

Das sind genau die Anforderungen. die nach Meinung der Orthopäden und Augenärzte ein gesundes Arbeiten ermöglichen. Inwieweit solche Forderungen auch umgesetzt werden. ist eine andere Frage. Sicher scheint allerdings, daß immer mehr Firmen begreifen. daß der flimmerfreie entspiegelte Bildschirm, der so steht, daß der Mitarbeiter das Fenster vor und nicht hinter sich hat, zu einer Reduzierung der Krankentage führt und damit dem Unternehmen nützt. Büros. die nach den Regeln der Bildschirmrichtlinie eingerichtet sind, werden dazu beitragen, daß der Mythos vom schädlichen PC-Arbeitsplatz verschwindet - benso die Aufklärungsarbeit vor Ort. So führt der Landesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) in Hessen seit 1995 in Unternehmen ein Arbeitsplatzprogramm durch. Hier wird ergonomisches Verhalten trainiert. Das beginnt mit einer Rückenschule. Insbesondere für Inhaber von Bildschirmarbeitsplätzen werden auch Augenübungen durchgeführt. Auch praktische Veränderungen bringen rasch Erfolg: Bei allein 83 Prozent aller Befragten war der Stuhl zu niedrig eingestellt. Mit wachsendem Problembewußtsein änderten die Mitarbeiter das selbst.

Artikelaktionen

Fort- und Weiterbildungen 2016

Gruppenbild DSHS 2011

Mehr zum Programm und Anmeldung

Neu! Das Standardwerk der Neuen Rückenschule

Buch Neue Rückenschule 2 Cover

"Die neuen Standards" (Schmerzmedizin)

Jetzt in 2.Auflage! Dez 2014 430 Seiten
Neu im Dezember 2015! Funktionelles Training - Zusätzliche Übungen

 

Funktionlles Zusatzübungen

erschienen Dezember 2015
Neu! Februar 2015

Die Kleine Rückenschule