Gesundheitliche und soziale Auswirkungen langer Arbeitszeiten
Volltext unter http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/Gd59.pdf?__blob=publicationFile&v=3
Abstract
Die aktuelle Diskussion um Arbeitszeitverlängerungen orientiert sich oft ausschließlich an vermeintlich wirtschaftlichen Kriterien, ohne gesundheitliche und soziale Effekte für die Beschäftigten zu berücksichtigen. Die Ergebnisse vorangegangener Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass mit zunehmender Dauer der Arbeitszeit mit einem Anstieg von gesundheitlichen und sozialen Beeinträchtigungen zu rechnen ist.
Im vorliegenden Forschungsbericht werden die Resultate umfangreicher Untersuchungen an verschiedenen, repräsentativen europäischen und deutschen Stichproben abhängig Beschäftigter dargestellt. Dabei werden im Rahmen einer Kreuzvalidierung die in multivariaten Analysen erzielten Ergebnisse zum Zusammenhang zwischen der wöchentlichen Arbeitszeit und gesundheitlichen sowie sozialen Beeinträchtigungen über vier Stichproben hinweg verglichen. Die Resultate zeigen übereinstimmend, dass mit zunehmender Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit das Risiko für Beeinträchtigungen der Gesundheit und der sozialen Teilhabe der Beschäftigten ansteigt. Darüber hinaus zeigt sich, dass die negativen gesundheitlichen und sozialen Effekte weiterer potenziell ungünstiger Arbeitszeitmerkmale wie Schichtarbeit, variable Arbeitszeiten, schlechte Planbarkeit der Arbeitszeit sowie Arbeit an Abenden oder am Wochenende durch lange Arbeitszeiten weiter verstärkt werden. Da hohe körperliche und/oder psychische Arbeitsanforderungen das Risiko gesundheitlicher Beeinträchtigungen schon von sich aus erhöhen, führen diese insbesondere bei langen und/oder in der Lage versetzten Arbeitszeiten zu einer weiteren Erhöhung des Beeinträchtigungsrisikos.
Diese Ergebnisse können erstmalig übereinstimmend in mehreren verschiedenen großen und für die Population der abhängig Erwerbstätigen repräsentativen Stichproben gezeigt werden und stützen sich somit gegenseitig. Die Validität und die Generalisierbarkeit der Resultate werden damit deutlich erhöht. Der Zusammenhang zwischen langen Arbeitszeiten und gesundheitlichen sowie sozialen Beeinträchtigungen kann damit als wissenschaftlich gesichert gelten.
Insbesondere beim Zusammentreffen mehrerer potenziell gefährdender Arbeitsbedingungen sollte das sich durch lange Arbeitszeiten weiter erhöhende Beeinträchtigungsrisiko berücksichtigt werden. Die daraus entstehenden erhöhten wirtschaftlichen und sozialen Kosten sollten daher in die Wirtschaftlichkeitsrechnungen von Arbeitszeitverlängerungen einbezogen werden
Schlagwörter:
Lange Arbeitszeiten, flexible Arbeitszeiten, Schichtarbeit, Arbeitszeitgestaltung, Belastung, Beanspruchung, Beanspruchungsfolgen, Gesundheit, soziale Teilhabe, Work-Life-Balance
The effects of extended working hours on health and social well-being
Discussions concerning the extension of working hours are often focused on
assumed economic benefits only, without taking into account possible negative
effects on health and social well-being. However, results of previous studies indicate
that an increase in working hours may lead to a decrease in health and well-being as
well as in time for social participation.
This research report describes the results of an extensive study, analysing different
samples representative for the employed workforces in the European Union and in
Germany. By cross-validating the results of multivariate analyses, structural relations
between weekly working hours, health, and social impairments are compared
between four distinct samples. The findings show consistently that with increasing
weekly working hours the risk of health problems and reduced time for social
participation increases. Furthermore, it can be demonstrated that negative effects on
health and social well-being resulting from other potentially harmful working time
arrangements, such as shift work, variable working hours, working at short notice, or
working on evenings and weekends, are aggravated by extended working hours.
Exposure to high physical and mental work demands by themselves increase the risk
of health problems, but particularly in combination with long and/or unsocial working
hours.
These findings could consistently be demonstrated for all four extensive and
representative samples of employed workers and thus strongly support each other.
The validity and generalizability of these results could therefore be considerably
increased.
It should thus be considered that the risk of health and social impairments due to
potentially hazardous working conditions will be additionally elevated by long working
hours. Economic and social costs resulting from this increase in health and social
impairments therefore need to be taken into account when discussing the
prolongation of working times.
Key words:
Long working hours, variable working times, shift work, work scheduling, work stress,
work strain, health, social participation, work-life balance





