Koordinationstraining bei Pflegepersonal mit Rückenschmerzen
| Koordinationstraining bei Pflegepersonal mit Rückenschmerzen | |
Coordinative training of nursing staff with back pain | |
| R. Schwesig1, K. Müller1, S. Leuchte2, D. Riede1 | |
| 1 Sektion Physikalische und Rehabilitative Medizin (Komm. Leiter: OA Dr. med. K. Müller) der Klinik für Orthopädie und Physikalische Medizin (Direktor: Prof. Dr. med. W. Hein), Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 2 Institut für Sportwissenschaft (Leiter: Prof. Dr. S. Leuchte) | |
Das Forschungsprojekt wurde durch die Unfallkasse Sachsen-Anhalt finanziell unterstützt.Das Trainingsgerät „Spacecurl” (Produktbezeichnung: FPZ 3D: The Spacecurl) wurde von der Firma PhysioBörse zur Verfügung gestellt.Die Arbeit wurde mit dem Spitzner-Preis 2001 ausgezeichnet. |
Zusammenfassung
Fragestellung: Das Koordinationstraining, das im Rahmen dieser Studie zur betrieblichen Gesundheitsförderung von Pflegepersonal mit Rückenschmerzen eingesetzt wurde, ist ein wichtiger Bestandteil der Bewegungstherapie. In der Prävention und Rehabilitation von Rückenschmerzen wurde es bislang jedoch selten angewendet und evaluiert, dies vor dem Hintergrund einer nach wie vor wachsenden Prävalenz von muskuloskelettalen Erkrankungen. Deshalb wurde in einer randomisierten, kontrollierten Studie der Einfluss des Koordinationstrainings im Dreiachstrainer Spacecurl auf die Parameter Koordination, Rückenschmerz und Lebensqualität untersucht.
Material und Methode: In die randomisierte, kontrollierte Studie wurden 104 Pflegekräfte der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Durchschnittsalter: 35,1 Jahre), die zum Zeitpunkt des Untersuchungsbeginns (Messzeitpunkt 1) rückenschmerzfrei waren, eingeschlossen. 52 Probanden nahmen ein- bis zweimal wöchentlich aktiv an einem standardisierten Koordinationstrainingsprogramm (36 Trainingseinheiten von jeweils 30 Minuten Dauer) teil. Die Kontrollgruppe (n = 52) absolvierte kein Training. Als Untersuchungsinstrumentarien wurden zur klinischen Funktionsdiagnostik die Oberflächenelektromyographie und die Posturographie eingesetzt sowie ein selbst entwickelter Fragebogen zur Erfassung des Rückenschmerzes und der WHOQOL-BREF (deutsche Version) zur Beurteilung der Lebensqualität verwendet. Die Erfassung der Untersuchungsparameter erfolgte zu 4 Messzeitpunkten.
Ergebnisse: Zum Messzeitpunkt 1 unterschieden sich Untersuchungs- und Kontrollgruppe in allen Parametern nicht signifikant voneinander. In der Funktionsdiagnostik (Oberflächenelektromyographie; Posturographie) konnten bei 69 % bzw. 74 % der aktiven Probanden signifikante Verbesserungen ermittelt werden (p < 0,001; Messzeitpunkt 2), die sich zudem in der Oberflächenelektromyographie durch eine hohe Stabilität auszeichneten. Die Rückenschmerzhäufigkeit reduzierte sich bei 34 % der Trainierenden signifikant (p = 0,016; Messzeitpunkt 2), während sich die Lebensqualität bei 43 % dieser Pflegekräfte signifikant (p = 0,028; Messzeitpunkt 2) erhöhte. Bei den Nichttrainierenden konnten in allen Untersuchungsparametern keine signifikanten Veränderungen (Messzeitpunkt 2 und 3) nachgewiesen werden. Die Regressionsanalyse ergab, dass die Zielparameter Koordination, Rückenschmerz und Lebensqualität in keiner direkten Beziehung zueinander stehen, sondern sich bei den aktiven Probanden unabhängig voneinander verbesserten.
Schlussfolgerung: Das eingesetzte Koordinationstraining im Spacecurl führte zu signifikanten Verbesserungen in den voneinander unabhängigen Variablen Koordination, Rückenschmerz und Lebensqualität.





