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Psychotherapie und Sport bessern chronisches Erschöpfungssyndrom

White PD, Goldsmith KA, Johnson AL, Potts L, Walwyn R, DeCesare JC, Baber HL, Burgess M, Clark LV, Cox DL, Bavinton J, Angus BJ, Murphy G, Murphy M, O'Dowd H, Wilks D, McCrone P, Chalder T, Sharpe M; PACE trial management group. Comparison of adaptive pacing therapy, cognitive behaviour therapy, graded exercise therapy, and specialist medical care for chronic fatigue syndrome (PACE): a randomised trial. Lancet. 2011 Mar 5;377(9768):823-36. Epub 2011 Feb 18.

http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(11)60096-2/abstract

Summary

Background

Trial findings show cognitive behaviour therapy (CBT) and graded exercise therapy (GET) can be effective treatments for chronic fatigue syndrome, but patients' organisations have reported that these treatments can be harmful and favour pacing and specialist health care. We aimed to assess effectiveness and safety of all four treatments.

Methods

In our parallel-group randomised trial, patients meeting Oxford criteria for chronic fatigue syndrome were recruited from six secondary-care clinics in the UK and randomly allocated by computer-generated sequence to receive specialist medical care (SMC) alone or with adaptive pacing therapy (APT), CBT, or GET. Primary outcomes were fatigue (measured by Chalder fatigue questionnaire score) and physical function (measured by short form-36 subscale score) up to 52 weeks after randomisation, and safety was assessed primarily by recording all serious adverse events, including serious adverse reactions to trial treatments. Primary outcomes were rated by participants, who were necessarily unmasked to treatment assignment; the statistician was masked to treatment assignment for the analysis of primary outcomes. We used longitudinal regression models to compare SMC alone with other treatments, APT with CBT, and APT with GET. The final analysis included all participants for whom we had data for primary outcomes. This trial is registered at http://isrctn.org, number ISRCTN54285094.

Findings

We recruited 641 eligible patients, of whom 160 were assigned to the APT group, 161 to the CBT group, 160 to the GET group, and 160 to the SMC-alone group. Compared with SMC alone, mean fatigue scores at 52 weeks were 3·4 (95% CI 1·8 to 5·0) points lower for CBT (p=0·0001) and 3·2 (1·7 to 4·8) points lower for GET (p=0·0003), but did not differ for APT (0·7 [−0·9 to 2·3] points lower; p=0·38). Compared with SMC alone, mean physical function scores were 7·1 (2·0 to 12·1) points higher for CBT (p=0·0068) and 9·4 (4·4 to 14·4) points higher for GET (p=0·0005), but did not differ for APT (3·4 [−1·6 to 8·4] points lower; p=0·18). Compared with APT, CBT and GET were associated with less fatigue (CBT p=0·0027; GET p=0·0059) and better physical function (CBT p=0·0002; GET p<0·0001). Subgroup analysis of 427 participants meeting international criteria for chronic fatigue syndrome and 329 participants meeting London criteria for myalgic encephalomyelitis yielded equivalent results. Serious adverse reactions were recorded in two (1%) of 159 participants in the APT group, three (2%) of 161 in the CBT group, two (1%) of 160 in the GET group, and two (1%) of 160 in the SMC-alone group.

Interpretation

CBT and GET can safely be added to SMC to moderately improve outcomes for chronic fatigue syndrome, but APT is not an effective addition.

FUNDING:

UK Medical Research Council, Department of Health for England, Scottish Chief Scientist Office, Department for Work and Pensions.

 

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/44771/Psychotherapie_und_Sport_bessern_chronisches_Erschoepfungssyndrom.htm

Psychotherapie und Sport bessern chronisches Erschöpfungssyndrom
London – Eine Psychotherapie und leichte sportliche Übungen haben sich in der bisher größten Therapiestudie zum chronischen Erschöpfungssyndrom als wirksam erwiesen. Laut der Publikation im Lancet (2011; doi: 10.1016/S0140-6736(11)60096-2) erzielen bis zu 60 Prozent der Patienten eine Besserung, die aber nicht alle Beobachter überzeugt.


Die CFS/ME – für Chronic Fatigue Syndrome/Myalgic Encephalomyelitis – wurde erstmals Ende der 50er Jahre in England beschrieben. Sie hat viele Namen, von „Island-Erkrankung“ (in England) bis zum „Syndrom fehlender natürlicher Killer-Zellen“ (in Japan), und ist diagnostisch schwer zu fassen, da es keine typischen Laborbefunde gibt.

Die Diagnose basiert allein auf den klinischen Angaben der Patienten. Kennzeichnend ist eine chronische Erschöpfung, deren Beginn sich zeitlich benennen lässt (also nicht bereits lebenslang besteht). Die Erschöpfung ist nicht Folge einer körperlichen Überlastung und bessert sich nicht durch Ruhe. Gefordert wird eine Dauer von mindestens sechs Monaten und psychiatrische Erkrankungen müssen als Ursache ausgeschlossen worden sein.

Über die Ursachen der CFS/ME gibt es keine klaren Erkenntnisse. Die Vermutungen reichen von einer psychischen Überlastung (quasi als Extremvariante eines Burn-outs) über neurologische Erkrankungen bis hin zu Virusinfektionen (wegen des akuten Beginns). Vor zwei Jahren war die Erkrankung mit murinen Retroviren (XMRV) in Verbindung gebracht worden, was aber inzwischen als widerlegt gilt.

Nichtsdestotrotz fordern einige US-amerikanische Patienten eine lebenslange antiretrovirale Therapie, die allerdings von den Kostenträgern in der Regel verweigert wird und für deren Wirksamkeit es keine medizinische Evidenz gibt.

Als evidenzbasiert dürften allerdings künftig eine kognitive Verhaltenstherapie (Cognitive behavioural therapy, CBT) und ein spezielles Sportprogramm gelten, die als stufenweise Aktivierung (Graded exercise therapy, GET) bezeichnet wird.

Die CBT setzt auf die Einsicht des Patienten in die Erkrankung, was bei einer Erkrankung mit nicht verstandener Ätiologie sicher nicht einfach ist. Die Patienten lernen von einem Psychologen Techniken, wie sie die Müdigkeitsanfälle frühzeitig erkennen und überwinden können. Bei der GET versucht ein Physiotherapeut die Patienten durch ein allmählich gesteigertes Bewegungsprogramm körperlich wieder fit für Beruf und Alltagsleben zu machen.

Die GET entspricht der Physiotherapie, wie sie bei einer großen Zahl von Erkrankungen wie Rheuma, Herzerkrankungen, Diabetes und chronischen Schmerzen eigesetzt wird, berichtet das Medical Research Council, das zusammen mit der britischen Regierung für 4,2 Mio. Pfund die “Pacing, graded Activity and Cognitive behaviour therapy – a randomised Evaluation” oder PACE-Studie durchgeführt hat.

An sechs Zentren hatten 620 Patienten an der Studie teilgenommen. Bei allen war die CFS/ME nach den Oxford-Kriterien diagnostiziert worden. Alle Patienten wurden von Spezialisten betreut, die den Patienten Medikamente gegen häufige Symptome wie Schlaflosigkeit oder Schmerzen verschrieben. In einen Therapiearm blieb es bei dieser Betreuung.

In den drei anderen Armen nahmen die Patienten zusätzlich entweder an einer CBT, einer GET oder an einer APT teil. APT steht für “adaptive pacing therapy”. Es handelt sich um eine Variante der Beschäftigungstherapie, bei der die Patienten sich allmählich an die Bedingungen der Erkrankung adaptieren, statt zu versuchen, ihre Situation zu verbessern. Diese Therapie erwies sich als wirkungslos.

Unter der GET kam es dagegen bei 61 Prozent der Patienten und unter der CBT bei 59 Prozent zu einer signifikanten Verbesserung der Müdigkeit und der körperlichen Funktion. Für Declan Mulkeen, dem Leiter des Forschungsprogramms beim Medical Research Council, steht damit fest, dass CBT und GET bei der CFS/ME wirksam sind.

Die Stiftung “Action for ME” warnte dagegen vor übertriebenen Erwartungen. In einer Umfrage der Stiftung hatten 82 Prozent der Patienten angegeben, dass die – in der aktuellen Studie wirkungslose – APT ihnen geholfen habe. Von der Wirkung der CBT und GET waren dagegen nur 50 und 43 Prozent überzeugt, während 34 Prozent sogar meinten, die – in der aktuellen Studie wirksame – GET haben ihnen mehr geschadet als genutzt.

Die Patientenorganisation “Association of Young People” begrüßte dagegen die Ergebnisse, da sie die Bedenken gegen die CBT und die GET entkräfte. Tatsächlich traten die von einigen Experten im Vorfeld befürchteten Verschlechterungen des körperlichen Zustands unter der GET oder CBT nur bei jeweils ein Prozent der Patienten auf und damit nicht häufiger als in der Kontrollgruppe.

Die Studie dürfte die Debatte um die Erkrankung nicht beenden, an der in Großbritannien 250.000 Menschen leiden. Auch die Therapieforschung wird fortgesetzt. Das Medical Research Council will weitere 1,5 Mio. Pfund in Studien investieren, die sich mit den Ursachen der Erkrankung beschäftigen sollen.

Im Vergleich hierzu steckt die Beschäftigung mit der Erkrankung in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Im September letzten Jahren fand jedoch in Dortmund ein Kongress statt. Als Selbsthilfegruppe hat sich die Fatigatio etabliert. © rme/aerzteblatt.de

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