Neuromuskuläres Training in der Therapie von Sportverletzungen: eine systematische Übersicht.
http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/Inhalt/Homepage070809neu/abstracts_komplett.pdf
Einleitung: Obwohl das neuromuskuläre Training als essentiell für die erfolgreiche funktionelle
Wiederherstellung nach Sporttraumen (z.B. Kreuzbandverletzung, Sprunggelenksverstauchungen)
beschrieben wird, konnte anhand der zurückliegenden Literatur bisher keine eindeutige
Wirksamkeit nachgewiesen werden. Ziel der Übersichtsarbeit war es, durch eine systematische
Literaturrecherche und Einordnung der Studien hinsichtlich ihrer methodischen Qualität die
derzeitige Evidenzlage neuromuskulären Trainings nach Sportverletzungen zu klären.
Methodik: Die Literatursuche, methodische Bewertung und Exzerpierung der Primärstudien
erfolgte systematisch durch zwei unabhängige Gutachter. Recherchiert wurde – unter
Berücksichtigung zuvor festgelegter Einschlusskriterien – in den Datenbanken SCOPUS,
MEDLINE, EMBASE und PEDro (1966 bis Oktober 2008) sowie in den Literaturreferenzen
relevanter Studien. Berücksichtigt wurden randomisierte kontrollierte Studien (RCT) und nichtrandomisierte kontrollierte Studien (CT), die das neuromuskuläre Training entweder mit einer
anderen Trainingsform oder mit einer Kontrollgruppe verglichen. Geeignete Studien wurden in
Anlehnung an van Tulder [2003] einer Überprüfung der methodischen Qualität unterzogen.
Ergebnisse: Die Literaturrecherche und Volltextanalyse ergab 38 relevante Studien, von denen 15
(13 RCTs, 2 CTs) den Einschlusskriterien entsprachen. Die Bewertung der methodischen Qualität
lag im Mittel bei 3,5±1,5 von maximal 9 erreichbaren Punkten. Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit
zeigen, dass neuromuskuläres Training in der Therapie von Sportverletzungen hinsichtlich der
Verbesserung der Gelenksfunktionalität, der Reaktionszeit der Kniebeugemuskulatur und der
Sprungleistung effektiv ist und zu einer Verringerung der Wiederverletzungsrate und der ‘Giving
way’ Ereignisse führt. Widersprüchliche Ergebnisse bzw. keine Effekte neuromuskulären Trainings
wurden für die Outcomes Gleichgewichtsfähigkeit, Gelenksstellungssinn, Reaktionszeiten des M.
tibialis anterior und M. peroneus longus, Maximalkraft und EMG Aktivität unterschiedlicher
Muskelgruppen der unteren Extremität und Gelenkbeweglichkeit festgestellt.
Diskussion: Die systematische Übersichtsarbeit konnte aufzeigen, dass neuromuskuläres Training
in der Rehabilitation von operativ oder konservativ versorgten Knie- und
Sprunggelenksverletzungen zu einem deutlich verringerten Wiederverletzungsrisiko und einer
verbesserten Gelenksfunktionalität führt.
Diese Studie wurde vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) unterstützt.





