Neuromuskuläres Training und Verletzungsprävention: eine systematische Übersichtsarbeit
http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/Inhalt/Homepage070809neu/abstracts_komplett.pdf
Einleitung: Sportverletzungen und Sportschäden erfahren als medizinisches und
sozioökonomisches Problem zunehmend Beachtung. Die vorliegende Literatur liefert Hinweise
dafür, dass sich das Verletzungsrisiko durch Neuromuskuläres Training (NT) reduzieren lässt. Ziel
dieser systematischen Übersichtsarbeit war es– auf Basis methodisch hochwertiger Studien – die
Wirksamkeit von NT in der Prävention von Sportverletzungen zu evaluieren.
Methodik: Die Literatursuche, methodische Bewertung und Exzerpierung der Primärstudien
erfolgte systematisch durch zwei unabhängige Gutachter. Recherchiert wurde – unter
Berücksichtigung zuvor festgelegter Einschlusskriterien – in den Datenbanken SCOPUS,
MEDLINE, EMBASE und PEDro (1966 bis Oktober 2008) sowie in den Literaturreferenzen
relevanter Studien. Berücksichtigt wurden randomisierte kontrollierte Studien und nichtrandomisierte
kontrollierte Studien. Als Effektmaß zur Bestimmung der Interventionswirkung
wurde das Relative Risiko (RR) mit dem zugehörigen 95 % Konfidenzintervall (KI) verwendet. Zur
Überprüfung der Studienheterogenität dienten die Statistiken Q und I2. Dementsprechend wurden
Meta-Analysen mittels Fixed-Effects und Random-Effects Modellen durchgeführt.
Ergebnisse: Von insgesamt 32 relevanten Studien konnten 7 methodisch hochwertige Studien in
die vorliegende Übersichtsarbeit eingeschlossen werden. Kombinierte Trainingsprogramme
führten zu Reduktionen des Risikos für Verletzungen der unteren Extremität (RR 0.61, 95% KI 0.49-
0.77; p<0.01), akuter Knieverletzungen (RR 0.46, 95% CI 0.28-0.76; p<.01) und Verletzungen des
Sprunggelenkes (RR 0.50, 95% KI 0.31-0.79, p<.01). Während durch alleiniges Balancetraining die
Rate für Verletzungen des Sprunggelenkes reduziert werden konnte (RR 0.64, 95% KI 0.46-0.9;
p<.01), zeigten sich lediglich nicht-signifikante Effekte auf die Inzidenz aller Verletzungen (RR 0.49,
95% CI 0.13-1.8; p=.28). Die Trainingsinterventionen erwiesen sich effektiver bei Personen mit
Vorverletzung als bei Personen ohne vorherige Verletzung.
Schlussfolgerung: Basierend auf den Ergebnissen von 7 methodisch hochwertigen Studien liefert
die vorliegende Übersichtsarbeit Evidenz für die Wirksamkeit von NT zur Prävention bestimmter
Sportverletzungen bei Ballsportlerinnen und –sportlern im Alter zwischen 12 und 24 Jahren. Im
Hinblick auf zukünftige Forschung erscheint eine Ausweitung der Fragestellung auf andere
verletzungsträchtige Sportarten sinnvoll und weiterführend. Zudem bedarf es einer Überprüfung
der Generalisierbarkeit gefundener Effekte auf andere Altersgruppen.
Diese Studie wurde vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) unterstützt.





