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Sensomotorisches Training und Krafttraining sind wirkungsvoll

Bruhn S, Kullmann N, Gollhofer A. The Effects of a Sensorimotor Training and a Strength Training on Postural Stabilisation, Maximum Isometric Contraction and Jump Performance. Int J Sports Med 2004; 25: 56-60 DOI: 10.1055/s-2003-45228

http://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/sportsmed/doi/10.1055/s-2003-45228;jsessionid=E4FD2DBE2CC8B82B7D93933A99963D28.jvm4

Abstract

Previous studies revealed that adaptations following sensorimotor training, performed to improve functional joint or postural stability, were characterized by improvements in the rate of force development during maximum voluntary isometric contraction. In classical strength training studies using intense loads it has been shown that improvements in rate of force development is mainly due to adaptations in the intramuscular coordination. The purpose of the present study was to compare possible neuromuscular adaptations in two training groups following either sensorimotor or classical strength training over a period of four weeks. Additionally a control group was investigated to contrast the adaptations seen after training. Postural stability, maximum voluntary isometric contraction and performance in squat-jump and in drop-jump were measured before and after training. The results confirmed the positive effects of both training regimen on rate of force development and on maximum strength during maximum voluntary contraction as well as on jump performance, while only the improvements after the strength training were significant. Strength training reduced iMEG, while it was enhanced after sensorimotor training in most testing situations. Strength training had positive effects also on concentric contractions like squat-jump. The sensorimotor training improved performance in reactive drop-jump by enhanced neuromuscular activity immediately after ground contact. It is concluded that classical strength training with high loads basically improves the mechanical efficiency of the efferent drive on the motoneurons, whereas sensorimotor training alters the afferent input on the central nervous system. Both adaptations yield to specific effects during force development.

http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=979532213&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=979532213.pdf

Aus Bruhn, S. SENSOMOTORISCHES TRAINING UND BEWEGUNGSKOORDINATION. Habilitationsschrift. Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Freiburg. April 2003

Ähnlichkeiten von Anpassungserscheinungen eines sensomotorischen Trainings und eines hoch intensiven Krafttrainings

In der zweiten Trainingsstudie konnten positive Effekte des sensomotorischen Trai-nings auf die frühe Phase des Kraftanstiegs in der maximalkräftigen isometrischen Muskelaktion nachgewiesen werden (Bruhn et al. 2001a). Um die Veränderungen durch das sensomotorische Training im Hinblick auf die koordinative Leistungsfähig-keit detaillierter beurteilen zu können, wurde das sensomotorische Training daher in einer weiteren Trainingsstudie vergleichend mit einem Krafttraining mit maximaler Intensität durchgeführt (Bruhn et al. 2002b). Von dieser Trainingsform wird in der Literatur weitgehend übereinstimmend ein positiver Einfluss auf die intramuskuläre Koordination berichtet (Bührle 1985). Diese manifestiert sich in einer gesteigerten Maximalkraft, ohne dass dabei gleichzeitig die Muskelquantität nennenswert an-wächst. 61

Obwohl vor allem in der Rehabilitation sensomotorisches Training und Krafttraining häufig parallel angewandt werden, gibt es nur wenige Studien, die die Effekte dieser Trainingsformen vergleichend untersuchen. Sofern beide Trainingsformen verglei-chend in einer Studie durchgeführt wurden, war die Zielrichtung die Verbesserung der Standstabilität und der Kraftfähigkeiten an der unteren Extremität zur Rehabilita-tion von Verletzungen oder zur Verbesserung des Zustands von Parkinsonpatienten (Toole et al. 2000; Heitkamp et al. 2001). Mit einer leistungssportlichen Zielsetzung wurden derartige Vergleiche bislang noch nicht praktiziert.

Carroll et al. (2001) führten ein Krafttraining am Zeigefinger durch. Sie konnten durch Messungen der Bewegungskoordination am Zeigefinger vor und nach dem Training einen stabilisierenden Einfluss auf die intermuskuläre Koordination durch das Kraft-training nachweisen. Kollmitzer et al. (2000) führten vergleichend ein Krafttraining der Rückenstrecker und ein Balancetraining durch. Vor und nach dem Training wurde die Fähigkeit zur Gleichgewichtsregulation getestet. Dabei war das Balancetraining dem Krafttraining hinsichtlich seiner Auswirkungen auf die Standstabilisation überlegen.

Um die Erkenntnisse über die Wirkungsweise des sensomotorischen Trainings auf die intramuskuläre Koordination der vorangegangenen beiden eigenen Studien zu vertiefen, wurde eine vergleichende Trainingsstudie durchgeführt. In dieser Studie führte eine Trainingsgruppe ein sensomotorisches Training durch. Eine weitere Trai-ningsgruppe führte ein klassisches Krafttraining mit maximalen Intensitäten zur Ver-besserung der intramuskulären Koordination durch. Eine zusätzliche Gruppe, die kein Training durchführte, diente als Kontrollgruppe.

Gemessen am Ausgangsniveau verbesserte sich sowohl die Maximalkraft, als auch die Explosivkraft durch beide Trainingsformen nahezu gleichförmig. Signifikante Unterschiede konnten allerdings nur für die Krafttrainingsgruppe festgestellt werden. Während die Aktivität der Muskulatur nach dem Krafttraining im Durchschnitt gleich blieb oder sogar zurückging, konnte nach dem sensomotorischen Training, wie be-reits in vorangegangenen Studien eine gesteigerte Aktivität der Muskulatur dokumen-tiert werden (Bruhn et al. 2001a).

Die mechanischen Parameter der Standstabilisation waren bei allen drei Gruppen verbessert, wobei die Verbesserungen der Kontrollgruppe genauso groß waren, wie die der sensomotorischen Trainingsgruppe, die Krafttrainingsgruppe erzielte die 62

größten Verbesserungen. Daher war das intramuskuläre Koordinationstraining in dieser Studie dem sensomotorischen Training im Hinblick auf die Verbesserung der Standstabilisation überlegen (Bruhn et al. 2002b).

In der konzentrischen Sprungform (Squat-Jump) führten beide Trainingsformen zu einer geringfügigen Verbesserung der Sprunghöhen, wobei die Effekte nach dem Krafttraining deutlicher ausfielen. Die Verbesserungen bei der konzentrischen Sprungform waren in der Krafttrainingsgruppe am deutlichsten. Dieser Befund unter-streicht die Bedeutung der intramuskulären Koordination für die Kraftproduktion beim konzentrischen Absprung (Baker 1996). Die muskulären Aktivitäten am Oberschen-kel veränderten sich durch das sensomotorische Training nicht, während die Aktivitä-ten nach dem intramuskulären Koordinationstraining gegenüber dem Ausgangswert reduziert waren.

Bei der reaktiven Sprungform (Drop-Jump) konnten durch das sensomotorische Training die größten Verbesserungen im Leistungsindex erzielt werden. Die Verbes-serungen sind dabei überwiegend auf die Verkürzung der Bodenkontaktzeit zurück-zuführen. Es ist anzunehmen, dass diese verkürzte Bodenkontaktzeit nach dem sensomotorischen Training auf eine verbesserte sensorische Rückmeldung aus der Peripherie bei Bodenkontakt beruht (Gollhofer 1993).

Um die muskulären Aktivitäten zu untersuchen, wurden die integrierten EMG der abgeleiteten Ober- und Unterschenkelmuskeln aufsummiert. Dadurch war es mög-lich, ein Maß für die Koaktivierung der Muskeln für das Kniegelenk und das Sprung-gelenk zu bilden (Draganich et al. 1989). Die muskulären Aktivitäten am Oberschen-kel waren bei der Gruppe mit dem intramuskulären Koordinationstraining und bei der Kontrollgruppe gegenüber dem Ausgangswert reduziert. Lediglich die Gruppe mit dem sensomotorischen Training hielt das Aktivitätsniveau nach der Trainingsphase. In der Latenzphase war die muskuläre Aktivität am Oberschenkel bei dieser Gruppe gegenüber dem Ausgangswert erhöht. Daher kann angenommen werden, dass die Versuchspersonen dieser Gruppe im Gegensatz zu denen der anderen beiden Gruppen nach dem Training besser in der Lage waren, das Aktivitätsniveau nach dem Bodenkontakt aufrecht zu erhalten und den Wechsel von der exzentrischen in die konzentrische Phase ohne große Einbußen in der neuromuskulären Aktivierung zu gestalten (Komi 2000). 63

Für die muskulären Aktivitäten am Unterschenkel konnten nach der Trainingsphase ähnliche Unterschiede in reduzierter Ausprägung festgestellt werden. Zusätzlich war bei der sensomotorischen Trainingsgruppe ein Rückgang der Aktivierung in der spä-ten EMG-Antwort zu erkennen. Die Probanden der sensomotorischen Trainingsgrup-pe verlagerten ihre muskuläre Aktivität von der konzentrischen Phase der Sprungbe-wegung nach dem Bodenkontakt vor dem Training in die Phase der Voraktivierung bzw. in die exzentrische Phase nach dem Training. Diese Vorverlagerung der musku-lären Aktivität im Drop-Jump ist als sinnvolle Strategie zur Leistungssteigerung zu interpretieren.

Während die Gruppe, die ein Krafttraining absolvierte, von ihren Verbesserungen in der intramuskulären Koordination hauptsächlich im Squat-Jump durch einen explosi-ven Krafteinsatz in der konzentrischen Beinstreckung profitierte, konnte die Gruppe mit dem sensomotorischen Training vermutlich von einer verbesserten Wahrneh-mung des Bodenkontaktes und einer höheren Aktivierung im Übergang von der ex-zentrischen in die konzentrische Phase profitieren (Bruhn et al. 2002b).

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