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Sind Angst-Vermeidungsüberzeugungen bei Kreuzschmerzpatienten ein Risikofaktor für geringe körperliche Aktivität oder vice versa?

Leonhardt C, Lehr D, Keller S, Chenot JF, Luckmann J, Basler H-D, Baum E, Donner-Banzhoff N, Pfingsten M, Hildebrandt J, Kochen MM, Becker A (2009) Are fear avoidance beliefs predictors or consequences of physical activity in low back pain patients? A cross-lagged panel analysis. GMS Psychosoc Med 2009; 6:Doc01 DOI: 10.3205/psm000057, URN: urn:nbn:de:0183-psm0000577

Volltext unter

http://www.egms.de/en/journals/psm/2009-6/psm000057.shtml

Abstract
Objective: The assumption that low back pain (LBP) patients suffer from “disuse” as a consequence of high fear-avoidance beliefs is currently under debate. A secondary analysis served to investigate whether fear-avoidance beliefs are associated cross-sectionally and longitudinally with the physical activity level (PAL) in LBP patients.
Methods: A total of 787 individuals (57% acute and 43% chronic LBP) were followed up over a period of one year with measurements of fear-avoidance beliefs and physical activity level. Fear-avoidance beliefs concerning physical activity were measured by the physical-activity subscale of the FABQ (Fear-Avoidance Beliefs Questionnaire), the physical activity level was assessed in weighted metabolic equivalents (MET) hours/week with a German self-report questionnaire. Data were investigated by structural equation modelling in a cross-lagged panel design for the whole sample and separately for acute and chronic LBP.
Results: The acute and chronic sub sample increased their total physical activity level significantly after one year. The structural equation modelling results did not support the disuse-aspect inherent in the fear-avoidance belief model. Cross-lagged path coefficients were low (.04 and .05 respectively) and, therefore, did not allow to predict final physical activity by initial fear-avoidance beliefs or vice versa.
Discussion: Consequently, due to missing links between fear-avoidance beliefs and physical activity in a longitudinal design, the assumptions of the fear-avoidance belief model have to be questioned. These findings are in line with other investigations published recently. Most probably, “fear-avoidance belief” represents a cognitive scheme that does not limit activity per se, but only is directed to the avoidance of specific movements.
Keywords: fear-avoidance belief, physical activity, low back pain, structural equation modelling
Zusammenfassung
Zielsetzung: Die Annahme, dass Kreuzschmerzpatienten eine reduzierte körperliche Aktivität im Alltag zeigen („Disuse-Syndrom“) wird derzeit diskutiert. Mit einer Sekundäranalyse wurde hier untersucht, ob Angst-Vermeidungsüberzeugungen quer- und längsschnittlich mit dem Aktivitätsniveau bei Kreuzschmerzpatienten assoziiert sind.
Methode: Es gehen in diese Untersuchung über ein Jahr Messungen der Angst-Vermeidungsüberzeugungen und der körperlichen Aktivitätslevel von insgesamt 787 Patienten (57% mit akuten und 43% mit chronischen Kreuzschmerzen) ein. Die Angst-Vermeidungsüberzeugungen bezüglich körperlicher Aktivität wurden mit einer Subskala des FABQ (Fear-Avoidance Beliefs Questionnaire), die körperliche Aktivität mit einem deutschen Selbstberichtsfragebogen (Freiburger Fragebogen zur körperlichen Aktivität) in metabolischen Einheiten (Energieumsatz) erhoben. Die Daten wurden mit Strukturgleichungsmodellen in einem Cross-Lagged-Panel-Design ausgewertet – sowohl für die Gesamtstichprobe als auch getrennt für akute und chronische Patienten.
Ergebnisse: Die akuten und auch chronischen Kreuzschmerzpatienten steigerten ihre körperliche Aktivität über ein Jahr. Die Ergebnisse der Strukturgleichungsmodelle konnten das „Disuse-Syndrom“, wie es die sog. Fear-Avoidance-Modelle vorhersagen, nicht bestätigen. Die überkreuzten Pfadkoeffizienten waren niedrig (.04 und.05) und erlaubten daher nicht, körperliche Aktivität durch die anfänglichen Angst-Vermeidungsniveaus vorherzusagen oder umgekehrt.
Fazit: Da es insgesamt kaum Beziehungen zwischen dem Angst-Vermeidungsniveau und körperlicher Aktivität in einem Längsschnittdesign gab, müssen diesbezügliche Annahmen der Fear-Avoidance Modelle überdacht werden. Unsere Ergebnisse stehen im Einklang mit einigen anderen jüngst publizierten Ergebnissen. Wahrscheinlich repräsentieren Angst-Vermeidungsüberzeugungen ein kognitives Schema, das nicht die Aktivität bei Kreuzschmerzpatienten generell verringert, sondern nur bestimmte Bewegungen vermeiden lässt.
Schlüsselwörter: Angst-Vermeidungsüberzeugungen, körperliche Aktivität, Kreuzschmerz, Strukturgleichungsmodell
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