Sportliche Aktivität und Stressreaktivität: Ein Review
http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/Inhalt/Heft%2007808/ArtikelGerber.pdf
Stress ist mit einer Vielzahl chronischer Erkrankungen assoziiert, wohingegen
sportlicher Aktivität eine gesundheitsprotektive Wirkung zugeschrieben wird.
Eine mögliche Ursache für den präventiven Effekt des Sports wird daher in
einer herabgesetzten Stressreaktivität vermutet. Im Sinne einer unspezifischen
Adaptation ist davon auszugehen, dass sich durch wiederholte sportliche
Belastungen Anpassungsvorgänge ergeben, die auch bei psychosozialen oder
kognitiven Stressoren wirksam werden.
Der vorliegende Beitrag zeigt, dass sportliche Aktivität zu einer Aktivierung der
stressregulierenden Körperfunktionen führt. Konkret werden sowohl die nervale
(autonomes Nervensystem und Hypothalamus-Nebennierenmark-Achse) als
auch die hormonale Achse (Hypothalamus-Nebennierenrinden-Achse) angeregt.
Bei trainierten Personen fällt die Aktivierung der beiden Stressregulationssysteme
geringer aus. Allerdings hat der Trainingszustand nur dann einen Einfluss, wenn
die absolute Belastungshöhe als Indikator verwendet wird. Ferner zeigt sich,
dass Maximalbelastungen bei trainierten Personen mit einer höheren Reaktivität
einhergehen. Für die Plausibilität der Cross-Stressor Adaptationshypothese, nach
der sich trainingsbedingte Anpassungsprozesse auch auf sportfremde Stressoren
übertragen, liefert der aktuelle Forschungsstand nur eingeschränkte Belege. Zwar
fällt bei kognitivem und psychosozialem Stress die Reaktivität geringer aus, wenn
unmittelbar zuvor Sport getrieben wurde. Im Gegensatz dazu hat regelmässiges
Training bzw. der Fitnesszustand keinen Einfluss auf die Stressreaktivität.
Bemerkenswert ist indes aus präventivmedizinischer Sicht, dass sich Personen
mit hohem Fitnesszustand schneller von sportfremden Belastungsreizen
erholen. Für das Ausbleiben einer generell herabgesetzten Stressreaktivität bei
trainierten Individuen kommen substanzielle (z.B. Spezifität der Stressreaktion)
und methodische Ursachen (z.B. niedrige Belastungsstärke der verwendeten
Laborstressoren) in Frage.





