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Training der motorischen Kontrolle leichte Vorteile gegenüber allgemeinen Kräftigungsprogramm nach Bettruhe

Hides JA, Lambrecht G, Richardson CA, Stanton WR, Armbrecht G, Pruett C, Damann V, Felsenberg D, Belavý DL. The effects of rehabilitation on the muscles of the trunk following prolonged bed rest. Eur Spine J. 2010 Jul 1. [Epub ahead of print]

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20593204

Abstract

Microgravity and inactivity due to prolonged bed rest have been shown to result in atrophy of spinal extensor muscles such as the multifidus, and either no atrophy or hypertrophy of flexor muscles such as the abdominal group and psoas muscle. These effects are long-lasting after bed rest and the potential effects of rehabilitation are unknown. This two-group intervention study aimed to investigate the effects of two rehabilitation programs on the recovery of lumbo-pelvic musculature following prolonged bed rest. 24 subjects underwent 60 days of head down tilt bed rest as part of the 2nd Berlin BedRest Study (BBR2-2). After bed rest, they underwent one of two exercise programs, trunk flexor and general strength (TFS) training or specific motor control (SMC) training. Magnetic resonance imaging of the lumbo-pelvic region was conducted at the start and end of bed rest and during the recovery period (14 and 90 days after re-ambulation). Cross-sectional areas (CSAs) of the multifidus, psoas, lumbar erector spinae and quadratus lumborum muscles were measured from L(1) to L(5). Morphological changes including disc volume, spinal length, lordosis angle and disc height were also measured. Both exercise programs restored the multifidus muscle to pre-bed-rest size, but further increases in psoas muscle size were seen in the TFS group up to 14 days after bed rest. There was no significant difference in the number of low back pain reports for the two rehabilitation groups (p = .59). The TFS program resulted in greater decreases in disc volume and anterior disc height. The SMC training program may be preferable to TFS training after bed rest as it restored the CSA of the multifidus muscle without generating potentially harmful compressive forces through the spine.

 

aus dem Rehanewsletter Nr. 46 von Frank Diemer, Volker Sutor und Nedeljko Goreta

www.fomt.info

Immobilisationsatrophie nach längerer Bettruhe – Einfluss von Trainingsprogrammen

Bei Immobilisation kommt es in den Extensoren zu einer stärkeren Atrophie als in den Flexoren. Ein Fakt, der häufig auf die fehlende Gravitation zurückgeführt wird. Nach längerer experimentieller Bettruhe nimmt der Querschnitt der Flexoren sogar zu. Eine erstaunliche Tatsache, die schon in diversen Quellen einer Berliner Gruppe untersucht wurde. Hides et al. (2011) untersuchten nun den Einfluss von unterschiedlichen Trainingsprogrammen auf die Muskelstruktur nach der Immobilisation.

Design:

  • 24 männliche Probanden wurden über 60 Tage mit einer 6° -Kopf- tief- Lage im Bett immobilisiert. Nach der Bettruhe wurden zwei Übungsprogramme evaluiert:

Motor control

  • Anspannung der tiefen kleinen Muskeln
  • Progression in ADL`s
  • Widerstandsverstärkung mit Theraband und Bodyblade
  • Funktionelle Übungen wie Klötzchenspiel und Squat Positionen

generelles Kräftigungs-Programm

  • Kräftigung in Rückenlage, sehr Bauchmuskeldominant, eventuell Bridging
  • Zusätzlich Dehnungen für die Schulter- und Hüftmuskulatur

 

Beide Programme wurden überwacht und dauerten mindestens 30 Minuten (15 überwachte Sitzungen) in der Klinik bzw. Praxis, zusätzlich wurde das Programm zu Hause ausgeführt.

Vor der Bettruhe und 14 bzw. 90 Tage nach der Bettruhe wurden folgende Daten ermittelt:

  • Gemessen wurden per Kernspin die Struktur (Atrophie-Hypertrophie) der wichtigsten Rumpfmuskeln, die Lendenwirbelsäulenkurvatur und die Länge der lumbalen Wirbelsäule. Des Weiteren wurden die ventrale und dorsale Diskushöhe und das Diskusvolumen bestimmt. Darüber hinaus wurden Schmerz und physische Aktivität per Fragebogen evaluiert.

Ergebnisse:

nach der Bettruhe

  • War die Lendenwirbelsäule länger, der Diskus höher und voluminöser und der Lordosewinkel geringer (reduzierte Lordose).
  • Kommt es zu einem größerem Querschnitt des Psoas, des Quadratus lumborum und zu einem reduziertem Querschnitt des Multifidus

nach der Reha

  • Kam es zu einer Rückführung dieser Werte (Diskusvolumen, anteriore Diskushöhe und die spinale Länge blieben im Vergleich zur Base-line etwas länger).
  • Die globale Kräftigungsgruppe reduzierte die Werte für die anteriore Diskushöhe und das Diskusvolumen früher als die Motor control Gruppe. Für die posteriore Diskushöhe bestanden tendenziell gegensätzliche Verhältnisse.
  • Reduziert sich der Querschnitt des Psoas wieder (Tendenz mehr Reduktion in der Motor control Gruppe)
  • Erhöht sich durch die Intervention der Querschnitt der Multifidus (Tendenz mehr Resolution in der generellen Gruppe, signifikant auf L3) und auch des Erector spinae (signifikant auf L2)
  • Keine signifikanten Unterschiede bezüglich Schmerz

 

Diskussion der Autoren

Der Psoas major führt gerade in Flexion zu einer segmentalen Destabilisierung, da der atrophierte Multifidus zu wenig dagegen halten kann. Dies wird unterstützt von anderen Autoren, die einen größeren Querschnitt des Psoas auf der Läsionsseite gemessen haben. Selbstverständlich ist es daher besser Motor control Übungen zu machen.

Andere Arbeiten der Gruppe stellen einen Zusammenhang zwischen einer schnellen Abnahme der Diskushöhe und der Entwicklung von Rückenschmerz dar. Gerade in den ersten Tagen nach der Bettruhe scheint eine schonende Rückführung der Diskushöhe daher empfehlenswert zu sein.

Diskussion der FOMT

Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass eigentlich 2 durchaus lohnende Trainingsprogramme, die beide ihre Wirkung unter Beweis stellen, dennoch unterschiedlich gewürdigt werden.

Die zitierten Studien, mit einem größeren Querschnitt des Psoas major, beziehen sich in der Regel auf eine inhomogene Gruppe, die durch sportliche Leistung eine Asymmetrie hergestellt hat, bzw. eine Asymmetrie herstellen musste (sportartspezifische Adaption). Werden durchschnittliche Werte von Rückenschmerzpatienten als Vergleich herangezogen, so ist der Querschnitt des Psoas nicht größer sondern kleiner. Ein größerer Querschnitt könnte demnach auch positiv gewertet werden.

Insgesamt stellt sich die Frage warum fast ausschließlich Beugeübungen in der generellen Gruppe gemacht wurden? Anders gefragt: Ist es überraschend, dass der Querschnitt des Psoas größer ist wenn man ihn trainiert? Dies sollte in der Diskussion unserer Meinung nach anders gewichtet werden, insbesondere auch deswegen weil die Schmerzsymptomatik in beiden Gruppen gleich geartet ist.

Interessant ist aus unserer Sicht des Weiteren, dass durch sehr Bauchmuskeldominante Übungen der Querschnitt der Multifidi wächst.

Ein weiterer Hinweis dafür, dass Multifidi bei Übungen in alle Richtungen mit aktiv sein können.

Abschließend stellt sich die Frage, in wie weit wirklich strukturelle Veränderungen vorlagen. Nimmt man den zeitlichen Verlauf der Anpassung des Multifidus (Resolution innerhalb weniger Tage, z.B. Hides et al. 2007), so spielen sicher Flüssigkeitsverschiebungen eine große Rolle.

Fazit

Beugeübungen erhalten den Querschnitt des Psoas und sorgen für eine sehr gute Anpassung des Multifidus ohne dass vermehrt Schmerz auftritt. Ähnliche Anpassungserscheinungen sind durch Motor control Übungen zu erwarten.

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