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Veränderungen im Knieknorpel nach therapeutischen Trainingsprogramm

Woollard JD, Gil AB, Sparto P, Kwoh CK, Piva SR, Farrokhi S, Powers CM, Fitzgerald GK. Change in knee cartilage volume in individuals completing a therapeutic exercise program for kneeosteoarthritis. J Orthop Sports Phys Ther. 2011 Oct;41(10):708-22. Epub 2011 Sep 4.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=woollard%20jd,%20gil%20ab,%20sparto%20p&cmd=correctspelling

Abstract

STUDY DESIGN:

Prospective cohort study.

OBJECTIVES:

To characterize knee cartilage change in individuals with knee osteoarthritis (KOA) who have completed a therapeutic exercise program.

BACKGROUND:

While therapeutic exercise is frequently used successfully to improve pain and function in individuals with KOA, no studies have reported the volume of cartilage change or individual factors that may impact volume of cartilage change in those completing an exercise program for KOA.

METHODS:

Thirteen individuals with KOA underwent magnetic resonance imaging to quantify cartilage volume change in the weight-bearing regions of the medial and lateral femoral condyles and the entire surface of the tibial plateaus from baseline to 1-year follow-up. Body structure and function measures were taken for body mass index, knee axis alignment, knee motion, and knee strength. Activity limitations and activity levels were also measured prior to the therapeutic exercise program, using the Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index and the Physical Activity Scale for the Elderly. At 6 months from baseline, follow-up clinical measurements of knee strength and motion were performed. At 1 year from baseline, imaging of the knee cartilage and knee alignment were performed, and participants completed the Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index and Physical Activity Scale for the Elderly.

RESULTS:

The central region of the medial femoral condyle (cMF) had a median volume of cartilage loss of 3.8%. The other 3 knee tibiofemoral articular surfaces had minimal median cartilage volume change. Individuals were dichotomized into progressors (n = 6) and nonprogressors (n = 7), based on the standard error of measurement of cartilage volume change for the cMF. Progressors were younger, had a larger body mass index, had a higher Kellgren-Lawrence grade in the medial compartment of the knee, and had a greater increase in knee varus alignment from baseline to 1-year follow-up. The progressors also had frontal plane hip and knee kinetics during baseline gait analysis that potentially increased medial knee joint loading.

CONCLUSION:

The loss of cMF cartilage volume was highly variable and the median loss of cartilage was within the range previously reported. Seven of the 13 individuals did not have cMF cartilage volume loss greater than the standard error of measurement. Change in cartilage volume of the cMF may be influenced to a greater extent by personal factors than by completion of a therapeutic exercise program. Additional research is needed to decipher the interactions among therapeutic exercise and personal characteristics that impact knee cartilage loss.

 

aus dem Rehanewsletter Nr. 48 von Frank Diemer, Volker Sutor und Nedeljko Goreta

www.fomt.info

In wie fern können Übungen den Knorpelabbau bremsen?

Eine Frage, die so alt ist wie die meisten Behandlungskonzepte und auch heute noch nicht gelöst ist. Mittlerweile kann man Trainingsformen und deren Erfolg aber besser quantifizieren. So auch der Knorpelabbau, der als wichtiger Prediktor für die Progression von arthrotischen Prozessen angesehen werden kann. Dies bedeutet, dass Programme, die den Knorpelabbau nachweislich reduzieren, auch die operative Versorgung verzögern und im optimalen Fall auch verhindern können. Erst kürzlich untersuchten Woodley et al (2011) den Einfluss eines Übungsprogrammes auf den Knorpelstatus.

Design:

12 Patienten mit der Diagnose Kniearthrose (Kellgren Lawrence 2-4, klinische Symptome, wie zum Beispiel morgendliche Steifheit oder Krepitation) wurden mittels quantitativen MRT (Bestimmung des Knorpelvolumens) untersucht.

Von besonderer Bedeutung ist dabei das Knorpelvolumen im zentralen Bereich der medialen Femurcondyle. Dort treten in der Progression der Arthrose die größten Veränderungen auf. Zusätzlich wurden die Beweglichkeit und die Quadricepskraft ermittelt, die Beinachse per Radiologie gemessen und funktionelle Einschränkungen evaluiert. Weiterhin wurde der Gangzyklus biomechanisch (Adduktionsmoment im Hüft- und Kniegelenk) untersucht.

Training:

Die Patienten führten zunächst 12 Einheiten innerhalb 2 Monaten unter Supervision durch, gefolgt von einem 4 monatigem Heimprogramm

  • Das Programm bestand aus klassischen Krafttrainingsübungen für die untere Extremität
  • Eine Subgruppe (7 Patienten) erhielt zusätzlich koordinative Übungsformen, der andere Teil der Kohorte (6 Patienten) erhielt zum Ausgleich ein Ausdauertraining (15 Minuten) am Oberkörperergometer. Im Heimprogramm wurden alle Teilnehmer dazu ermutigt mindestens 3x Woche 30 Minuten zu walken
  • Direkt nach dem Training wurden das Bewegungsausmaß sowie die Quadricepskraft gemessen
  • Erst 6 Monate später wurde der Knorpelstatut nachuntersucht

 

Ergebnisse:

Insgesamt kam es nur im Bereich der medialen Femurcondylen zu signifikanten Veränderungen. Dort betrug die mittlere Reduktion des Knorpelvolumens 3,1%

  • Unter den 13 Patienten gab es "Progressors" (Reduktion der Knorpeldicke) und es gab "Nonprogressors" (keine Reduktion der Knorpeldicke).
  • Bei der Analyse der Patienten mit Reduktion stieg die mittlere Reduktion des Knorpelvolumens auf 22% !!!
  • Patienten mit Reduktion des Koprels hatten einen höheren BMI, waren Jünger und hatten einen höheren Kellgren Lawrence Score (3 versus 2). Des Weiteren kam es in dieser Gruppe zu einer Veränderung der Beinachse in Richtung varus (um 5° im Vergleich zu Beginn der Studie). Nicht zuletzt entwickelten sie ein für das Kniegelenk belastenderes Bewegungsmuster im Gang (mehr Knieadduktionsmoment).
  • in beiden Gruppen kam es zu einer leichten Verbesserung der Knieflexion und einer geringeren Einschränkung in Richtung Extension. Des Weiteren kam es zu einer Verbesserung im funktionsabhängigen Anteil im WOMAC Score.
  • Compliance: Patienten ohne Knorpelreduktion hatten eine schlechtere Compliance mit dem Heimprogramm und führten fast ein Drittel wenigerTrainingseinheiten durch.

Diskussion:

Diese hervorragende Arbeit liefert unserer Ansicht nach viele wertvolle Hinweise für die tägliche praktische Arbeit mit Knorpelpatienten:

  • Patienten mit Übergewicht sollten abnehmen
  • Patienten mit Achsabweichungen und einem initial höheren Arthrosestadium zeigen eine gringe Anpassungserscheinung. In dieser Gruppe ist eine Progression selbst durch moderate Übungen nicht unwahrscheinlich.
  • Selbst mit einem ausgeprägten Knorpelverlust können sich Funktionen verbessern.
  • Die Kniebelastung in der Dynamik ist entscheidend, ein sauberes Gangbild sollte daher oberste Priorität haben.

Fazit:

Bitte mehr davon!!!


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