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Werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis genutzt? Eine Betrachtung am Beispiel des Krafttrainings.

Schmidtbleicher D. Werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis genutzt? Eine Betrachtung am Beispiel des Krafttrainings. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 2010; 61 (7-8): 151-152

http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/Inhalt/Homepage_Dateien_Heft%2007_0810/sophie/editorial_schmidtbleicher_bg.pdf

 

--- Auszug aus dem Artikel in der Sportmedizin

So ist seit über 20 Jahren bekannt, dass Spitzensportler – z.B. Sprinter – über gute Kraftwerte in ihrer
„Antriebsmuskulatur“ (prime movers) verfügen, die stabilisierende Rumpfmuskulatur dagegen schwach ausgebildet ist. Aus biomechanischen Gründen kann eine optimale Impulsübertragung auf den Boden
nur erfolgen, wenn der Rumpf „stabil“ ist – actio gleich reactio.

Gleiches gilt, wenn eine Kraftübertragung von den unteren auf die oberen Extremitäten erfolgen soll. Die Kräftigung der Rumpfmuskulatur erfolgt mit anderen Trainingsmethoden als die der Arme und Beine, weil diese Muskeln über eine andere Muskelfaserzusammensetzung verfügen. Wir diagnostizieren allerdings
mit schöner Regelmäßigkeit diesen Missstand seit Jahren. Interessant ist, dass vergleichbare Diagnoseergebnisse für Patienten mit Gang- und Gleichgewichtsstörungen und insbesondere für Patienten mit einer „Rückenproblematik“ vorliegen. Die Resultate der Behandlungsmethoden
sind widersprüchlich, wenig vergleichbar und oft dilettantisch. Häufig werden Krafttrainingsmethoden angewendet, die aufgrund der relativ hohen und langen Reizeinwirkungsdauer zu einer bevorzugten Herausbildung zwar der schnellen nicht aber der ermüdungsresistenten Muskelfasern führen. Die
Folgen sind fatal: die Leistungen werden besser, man glaubt sich auf dem richtigen Weg und beraubt sich damit der Möglichkeit, die genetisch vorhandenen Ressourcen richtig auszuschöpfen. Die
wirbelsäulenstabilisierende Muskulatur ist vorwiegend tonisch und ausdauernd (vom Typ I). Ein Krafttrainingsreiz mit schnellkräftiger Ausrichtung und (oder) Maximalkraftorientierung führt nicht zu den gewünschten Resultaten.

Ein weiteres wichtiges Faktum ist die Umsetzung der erzielten Verbesserung in den Kraftkomponenten in die sportspezifische bzw. alltagsorientierte Anwendung (Activities of Daily Living). Traditionelle Verfahren, wie sie in der Physiotherapie die Regel sind, entsprechen – wie in der Medizin auch – nicht dem
Stand der Wissenschaft.

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